Werner von Siemens

Pionier des beginnenden industriellen Zeitalters

Als vor 176 Jahren, im Jahre 1816, Werner Siemens geboren

 

wurde, fuhr das erste Dampfschiff den Rhein hinauf nach Köln,

 

bestaunt von der ganzen Bevölkerung.

 

Das industrielle Zeitalter, das damit auch in Deutschland

 

seinen Einzug hielt, sollte in Werner Siemens einen seiner

 

bedeutendsten Wegbereiter erhalten. Geboren wurde Werner

 

Siemens am 13. Dezember 1816, zwei Jahre nach Bismarck, hier

 

in Lenthe a.d. Obergut, wo der Vater Gutsverwalter und Pächter war.

 

 

Nach einer nicht einfachen Jugend in Lenthe und später in

 

Menzendorf bei Lübeck, entschloß sich Werner Siemens, in das

 

preußische Heer einzutreten, da er im damaligen Königreich

 

Hannover keine Chance sah, seine technischen Neigungen zu

 

verwirklichen und eine entsprechende Ausbildung zu erhalten.

 

Diese war zu damaliger Zeit nur im preußischen Heer möglich,

 

wenn man aus einfachen Verhältnissen stammte.

 

 

1834 trat er deshalb in das Dritte Preußische Artillerie-

 

Regiment in Magdeburg ein, wo man bald seine technisch

 

Begabung erkannte und ihn zur weiteren Ausbildung an die

Artillerie- und Ingenieur-Schule nach Berlin schickte.

 

 

Nach dem Tod der Eltern 1840, kam auf den 24-jährigen Leutnant die schwere Aufgabe zu, die neun jüngeren Brüder und Schwestern finanziell zu unterstützen. Dazu verhalf ihm seine technische Begabung, die ihn in seinem Nebenberuf als Offizier zu nützlichen Erfindungen führte.
So erfand er während einer Festungshaft, in der Zitadelle von Magdeburg, wegen Teilnahme an einem verbotenen Duell, die Galvanische Versilberung und Vergoldung, die er für 1.500 Englische Pfund verkaufen konnte. 1842 setzte er seine wissenschaftliche Fortbildung in Berlin, in der Physikalischen Gesellschaft fort, wo so berühmte Lehrer wie Alexander von Humboldt, Prof. Magnus, Dubois und Helmholtz lehrten.

Am Vorabend der Revolution von 1848 gründete er zusammen mit Johann Georg Halske die Telegraphenbauanstalt Siemens und Halske, aus der das heutige Haus Siemens hervorging. Der Bau der ersten großen europäischen elektrischen Telegraphenlinie von Berlin zu der in Frankfurt am Main tagenden deutschen Nationalversammlung machte ihren Namen sofort in ganz Europa bekannt.

Die Akademie der Wissenschaften in Paris wählte Werner Siemens zu ihrem Mitglied. Die Weltausstellung in London 1851 brachte die erste internationale Auszeichnung. 1853 gab der Zar den Auftrag zum Bau der wichtigsten russischen Telegraphenlinien. 1870 erreichte der Landtelegraphenbau mit der Vollendung der “Indoline“ zwischen London und Kalkutta einen triumphalen Höhepunkt. Noch heute zeugen eiserne Telegraphenmasten in den Hochebenen Persien von der dauerhaften Arbeit und dem Organisationstalent der Brüder Siemens, die in den Hauptstädten der damaligen Welt, London, Paris, Berlin und St. Petersburg, in gleicher Weise zu Hause waren. Die gleichzeitige Verlegung von Seekabeln im Mittelmeer, im Roten Meer, und im Indischen Ozean führte Werner Siemens nach Nordafrika, nach Ägypten und nach Arabien, die Verlegung der großen Atlantikkabel an die Küsten Irlands, die Errichtung eines europäischen Industriebetriebes zur Kupfergewinnung im Kaukasus an die Ufer des Schwarzen und Kaspischen Meeres.

Aber Werner Siemens war nicht nur ein Unternehmer großen Stils, sondern ebenso sehr Wissenschaftler und Erfinder, unermüdlich dabei zu verbessern und Neues zu entdecken, oft höchst nützliche Dinge des praktischen Gebrauchs. Ihm gelang der Bau eines zuverlässigen Zeigertelegraphen, die nahtlose Ummantelung von Kupferleitungen mit Guttapercha und viele weitere Verbesserungen auf dem Gebiet der Elektrizität, die eine genaue Kenntnis der kompliziertesten physikalischen und mathematischen Theorien voraussetzt. Auch als Soldat vollbrachte Werner von Siemens im Deutsch-Dänischen Krieg lobenswerte Leistungen. So ließ er sich 1848 vom Preußischen Generalstab nach Kiel beordern, um den Hafen mit von ihm konstruierten Unterwasserminen gegen die dänische Flotte zu verteidigen. Dies gelang ihm auch, nachdem die Dänen die Wirkung einer unfreiwilligen Detonation einer Minebeobachtet hatten.

1866 entdeckte Werner von Siemens das sogenannte Dynamo-Elektrische Prinzip, das das Zeitalter der Elektrotechnik einleitete. Diese Entdeckung hat unsere Welt gründlich verändert, und Werner von Siemens war es noch vergönnt, am Siegeszug des elektrischen Lichtes tätig mitzuwirken, die ersten elektromotorischen Antriebe in Werkstätten, die erste Straßenbahn, den ersten elektrischen Aufzug zu bauen.

Auch in der Politik bewirkte Werner von Siemens Einiges, in dem er sich in das preußische Abgeordnetenhaus wählen ließ, um dadurch Einfluß auf die Gesetzgebung für das Patentrecht und die Qualitätssicherung zu bekommen. In dieser Zeit galt nämlich noch nicht die Bezeichnung “Made in Germany“ sondern gute Ware wurde auch in Deutschland mit “Made in England“ bezeichnet.

Auch auf sozialem Gebiet war Werner von Siemens vorbildlich. Schon 1872 zur 25 Jahrfeier der Firmengründung richtet er eine Pensionskasse für die Belegschaft ein, Jahre bevor Bismarck diese gesetzmäßig verankerte.

Besonders modern erscheint uns Werner von Siemens in seinen zeitlosen Gedanken, die 1887 zur Gründung der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt in Berlin geführt haben. Die damals von ihm geforderte staatliche finanzierte Grundlagenforschung ist heute in aller Welt eine Selbstverständlichkeit. Sie hat mittlerweile bereits multinationale Formen angenommen. Auch die Forschung beeinflusste er maßgeblich durch Festlegung bestimmter Normen in der Technik und Mitwirkung an der internationalen Festlegung elektrischer Maßeinheiten 1882 in Paris.

So kann man zusammenfassend Werner von Siemens zu den großen Pionieren des industriellen Zeitalters rechnen. Die Familie ist stolz, dass er aus ihr hervorgegangen ist.

 





Quelle:

 

Auszug einer Rede anlässlich des 100. Jahrestages von Werner von Siemens,

 

abgedruckt in den jährlich erscheinenden Nachrichten der Familie Siemens 1992