Das Siemenshaus in Goslar

Foto www.gleisbergs.de
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Im Nordharz und seinem Vorland, besonders aber in der alten freien Reichsstadt Goslar ist die Familie Siemens seit über 600 Jahren nachweisbar ansässig. Seit der Reformationszeit, beginnend mit Ananias Siemens (1538-1591), sind die Mitglieder des Goslarer Familienstammes bekannt.
Bedeutendster Namensträger ist der in Lenthe bei Hannover geborene Werner Siemens (1816-1892), der 1847 mit der Gründung seiner Telegraphen-Bauanstalt “Siemens & Halske“ in Berlin die Keimzelle der heutigen Weltfirma Siemens schuf. 1866 hat er mit der Entdeckung des dynamoelektrischen Prinzips und der Konstruktion der ersten Dynamomaschine die wirtschaftliche Starkstromtechnik begründet. 1888 erhob Kaiser Friedrich III. ihn in den Adelsstand.

Das Siemens-Haus in Goslar, an der Schreiber- Ecke Bergstraße gelegen, ist eines der schönsten Bürgerhäuser vor Ort. Errichtet wurde es 1692/93 von Hans Siemens, der als Kaufmann und Stadthauptmann eine geachtete Rolle spielte. An der Haustür befindet sich noch heute, in ornamentaler Holzschnitzerei künstlerisch gestaltet, der Leitspruch des Erbauers: ora et labora – bete und arbeite.

Zunächst betritt der Besucher die “Däle“ (=Diele), eine gepflasterte Eingangshalle, die einst die Einfahrt zum dreiseitig umbauten Hofe bildete. Mit einem Seilzug wurden einst die Handelsgüter, Korn u.a. durch eine Luke in die vier Dachböden hochgehoben, die von einem soliden Schieferdach geschützt sind. Im Hofe links befindet sich noch heute die Braustube mit ihrem großen Kesselofen und den Requisiten, die zum Brauen des “Gose-Bieres“ gedient hatten. Ein aufgebohrter Baumstamm, Teilstück der Wasserzuführung von der Gose, erinnert an die mittelalterliche “Pipeline“ im Altstadtgebiet Goslars.

Zur Geschichte des Hauses ist erwähnenswert, dass es während der Jahre 1778 bis 1916 nicht im Besitz der Familie Siemens war, dann aber – aus Anlass des hundertsten Geburtstages von Werner von Siemens – von dessen Kindern zurückerworben wurde um als Familien-stammhaus für Tagungen und Zusammenkünfte, nicht zuletzt auch als Sammelstätte für ein Familienarchiv mit Dokumenten, Bildern und Büchern zu dienen.

Aus dem 19. Jahrhundert stammt noch der bis 1916 betriebene kleine Krämerladen, der einst in der Däle untergebracht war und heute im Nebenraum der Braustube eingerichtet ist und in seiner Art biedermeierliche Gemütlichkeit ausstrahlt. Im Obergeschoss befinden sich die Archivräume, ein großer Saal für Sitzungen und ein Eckzimmer, das den Blick in Richtung Markt und Kaiserpfalz bietet. Hierin befindet sich eine graphische Übersicht, auf der die wichtigsten Namensträger der Familie in ihrem genealogischen Zusammenhang dargestellt sind, nicht zuletzt auch eine Büste Werners von Siemens, die von A. Hildebrand modelliert wurde. Die Fensterfassungen entlang der Bergstrasse sind innen durchgeschnitzte barocke Säulen geschmückt. Der grosse Saal erhielt bei der Restaurierung 1954 wieder – wie im Zeitalter seiner Entstehung – Fenster mit Butzenscheiben. Auch die Türen und Deckenbalken in dunkelbrauner Farbe entsprechen dem Stil des Barock.

The Siemens House>>>